Nur noch Raps: Beobachtungen auf dem Land

Raps schmeckt nicht, hat aber einen sehr hohen Ölanteil und kann daher ohne weitere Zwischenschritte in Biosprit umgewandelt werden. Mais zum Beispiel wird besser in Biogasanlagen zu Strom und Wärme verwandelt. (Quelle: Wikipedia)

Fährt man – wie wir Reisenden – um Berlin rum wird man früher oder später feststellen, dass in diesem Jahr alle Bauern auf die glänzende Idee gekommen sind, Raps anzubauen. Überall sieht man die gelben Felder und nimmt den typischen Geruch dieses Bastards aus Rübsen und Gemüsekohl war. Zwei wirklich schlechte Jahren für Mais dürften die Landwirte von Brandenburg bis Bayern auf die gleiche Idee gebracht haben.

Als kochender Reisender weiss man jedoch, dass Raps zwar von der CMA und der Europäischen Union seit Jahren mit Unsummen in die Köpfe der Verbraucher gehämmert wird. Dabei kann man Raps nach Umzüchtungen erst seit vierzig Jahren überhaupt in der Küche verwenden. Und ein einigermassen guter Hobbykoch wird dennoch einen großen Bogen darum machen. Trotz Doppel-Null schmeckt damit zubereitetes Essen nicht.


Problematisch an dem vermehrten Anbau von Raps ist jedoch nicht der Geschmack, sondern die Tatsache, dass ein großer Teil dieser Frucht gar nicht dem Verzehr oder der Fütterung von Tieren zugeführt, sondern für die Energiegewinnung verwendet wird. Da immer mehr Bauernhöfe über Biogasanlagen verfügen, können sie diese direkt Raps speisen. Ausserdem kann Rapsöl mit geringem Aufwand als Zusatz zu Biosprit eingesetzt werden.

Damit wird auf vielen Flächen etwas angebaut, das auf den Märkten nicht auftaucht. Die Preisfindung für viele Produkte dürfte aller Wahrscheinlichkeit dadurch massiv verzerrt werden. Für Mais sagen z.B. alle Märkte noch fallende Preise voraus. Wichtigster Indikator für die Preisbestimmung ist dabei das Wetter. Und das war in diesem Jahr bisher – zumindest in Deutschland – ein echtes Maiswetter.

Es ist erstaunlich, dass selbst in einem globalisierten Markt der Nahrungsmittelindustrie plus der Tatsache, dass Landwirte inzwischen auch Energiebauern sind, dass selbst heute noch ein Prinzip, wie der Schweinezyklus gilt. Ich würde jedem Bauern dringend empfehlen, sich mal die diversen Datenbanken für alte Arten anzusehen (z.B. Arche Noah oder Nutzpflanzenvielfalt e.V.) und sich dort so leckeres Gemüse wie das Teltower Rübchen anzusehen und am besten gleich mal zu probieren. Dann klappt es auch mit dem antizyklischen Geldverdienen (wie z.B. auch bei der Hofmanufaktur in Altreetz).

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