Trash as trash can: Roseburg bei Ballenstedt

Wir als die Reisenden sehen viel, sehr viel Kitsch. Rund um Berlin fühlen sich viele Handwerker zur Kunst befähigt und bauen ihren RTL2- und MDR-geschulten Kunden die Pappmasché-TV-Welten in Stein und Gips nach. Aber es ist kein Vorrecht der Provinz provinziell zu sein. Auch Berliner sind nicht gefeit gegen das schamlose Raubkopieren verschiedenster Stile zum Zwecke der Selbstdarstellung.

Passend zum Sujet einer Trutzburg gegen den guten Geschmack kam der Sonnenuntergang. Kein Wunder: Kitsch ist hier Programm.

Die größte steingewordene Scheusslichkeit solchen Raubrittertums steht zwar am Rande des Harzes, wurde aber von einem Berliner verzapft. Die Roseburg sieht aus der Ferne aus, wie eine Ritterburg aus dem 13. Jahrhundert. Spätestens jedoch, wenn man über die kleinen Brückchen vor das Tor tritt ist man sich sicher, dass die gesamte Burg nur eine Fassade ist und man eigentlich an einem Filmset für eine ARD-Doku-Soap „Vor 1000 Jahren“ steht.

Dieser Eindruck ist insofern nahe an der Realität als der Bauherr Bernhard Sehring zu Lebzeiten hauptsächlich als Theaterarchitekt (Theater des Westens, Darmstadt, Bielefeld etc.) in Berlin arbeitete. Mit der Roseburg erfüllte er sich offensichtlich den Traum, all die Stile, die er für die Bühnen immer strikt trennen musste nun in einen schreienden Brei des Kitsches zu vermengen.

Dieser Drang zum Eklektizismus ist so konsequent, dass die Burg nicht anders als schön genannt werden muss. Staunend steht man davor und zieht unwillkürlich einen Vergleich zur naiven Malerei. Dazu mag man stehen, wie man will, ansehen muss man sich die Burg unbedingt.

Bei unseren Recherchen im Nachhinein stellte sich dann heraus, dass Theodor Fontane, der Brandenburgdichter mit dem Bauherren befreundet war und dessen Stilempfinden über den grünen Klee lobte. Nun denn, sei es so, wir werden nichts desto trotz weiter auf des Dichters Spuren Brandenburg durchfahren.

Unter anderem kümmert sich der Förderverein Roseburg e.V. rührend um den Erhalt der Burg und des Gartens. Wir begrüßen das! (Mehr nach dem Klick)

Veknüpfen sollte man die Reise mit einer Wanderung in dem angrenzenden Ausläufer des Harzes. Nur einen Kilometer entfernt findet man einen einzigartigen Wald aus niedrigen verstreut stehenden Traubeneichen. Der Forst nennt sich „Burgesroth-Bruchholz“ (zu finden unter anderem auf dem beachtenswerten Projekt protectedplanet.net) und ist Teil des Landschaftschutzgebietes „Harz und nördliches Harzvorland“.

Aber auch das Schloss Ballenstedt ebenfalls nur einen Kilometer entfernt sollte man sich bei der Gelegenheit eigentlich mal ansehen. Wir Reisenden hatten es allerdings nicht mehr geschafft. Aber Barock-Bauten stehen bei uns sowieso immer weit hinten auf der Liste.

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