Zum Astropeiler, zurück in die Zukunft

astropeiler

Passt nicht aufs Bild, weil zu groß: Das 25m-Teleskop.

Nach längerer Pause konnten wir Reisende uns endlich einmal wieder auf eine größere Rundfahrt durch Norddeutschland, Holland, Belgien und Westdeutschland machen. Auch wenn der eigentliche Anlass ein anderer war, wollten wir das sowieso-schon-tief-im-Westen-sein umbedingt nutzen, um eine der interessantesten Sites in Deutschland überhaupt zu besuchen: Denn mitten in der Eifel, mitten im Wald und dort zwischen kleinen Dörfern findet sich der Astropeiler. Auf einer Lichtung stehen dort zwei Radioteleskope, die seit mehreren Jahren von einer Gruppe ehrenamtlicher Helfer erhalten, restauriert, betrieben und dankenswerterweise auch der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden.

Sonntags ist auf dem Astropeiler offene Tür für Besucher. Als wir am späteren Nachmittag endlich auf verschlungenen Wegen dorthin gefunden hatten, war bereits eine Besuchergruppe im großen Teleskop unterwegs und wurde von den Mitgliedern des Vereins durch die Räume geführt. So widmeten wir uns zuerst dem 10-Meter-Teleskop, das ursprünglich zur Sonnenbeobachtung aufgestellt wurde. Unser Betreuer „DK2UO“ (im realen Leben Heinz Joachim Woelky) hat uns gezeigt, wie die Schüssel trotz bedecktem Himmel die Sonnenstrahlung und eine Funkbake auf dem Kölner Fernsehturm einfing und berichtete von den EME-Wettbewerben, an denen die Funkamateure vom Stockert regelmäßig (und sehr erfolgreich!) teilnehmen. Dabei wird mit der Antenne ein Signal zum Mond geschickt, von dessen Oberfläche reflektiert und dann von anderen Stationen wieder aufgefangen. Ein offensichtlich ganz wunderbarer Nerdsport, nach dessen begeisterter Erläuterung es uns dann auch nur logisch erschien, dass Heijo noch heute stolz das Band vom letzten Chaos Communication Camp ’11 in Finowfurt ums Handgelenk trägt.

sonnenspiegel

Auf dieser Wiese wachsen Orchideen, Pilze und ein Sonnenspiegel (auch mit Mondverfolgungsfunktion).

Danach wurden wir von Gerhard Buck ins hochspannende Thema Weltraumschrott, den Beitrag der großen Antenne (25 Meter) dagegen und in die Eingeweide des Gebäudes unter der beweglichen Antenne geführt. Ursprünglich wurde die imposante Gerätschaft in den 50ern von der Wissenschaft und vom Militär gebaut und genutzt (euphemistisch „Dual Use“). Man munkelt, dass es sogar den Luftraum bis nach Berlin beobachten konnte. Heute agiert es unter anderem als zweiter Empfänger eines reflektierenden Radarsignals, so zum Beispiel bei der Zusammenarbeit mit Effelsberg (allerdings mit geringerer Auflösung als jenes). Und obwohl die Besuchszeit eigentlich schon vorüber war, durften wir mit Gerhard danach sogar noch durch das Antenneninnere auf einen kleinen Ausleger klettern und die Aussicht auf Antenne und Eifel bestaunen. Bei dem Aufstieg über schmale Treppen und entlang empfindlicher Kabelbäume kann allerdings auch einem halbwegs geübten Bergwanderer schwindlig werden.

Mastercontrolroom

Hinter dieser Retrofassade versteckt sich allerlei Hightech-Equipment.

Insgesamt stellt der Astropeiler aus unserer Sicht ein echtes Highlight für Reisende durch Deutschland dar. Dies sicher nicht nur wegen der tollen Geräte und der interessanten Themen die einem dort begegnen, sondern vor allem wegen der unglaublich netten Menschen. Diese sind nicht nur in der Lage, ein solch ambitioniertes Projekt mit Begeisterung durchzuführen, sondern auch, den Besuchern auf eine angenehme Art auch noch die abstraktesten Themen nahe zu bringen. Wir danken!

Wer noch mehr hören will: Wir sind durch den Podcast CRE186 auf dieses Hochtechnologie-Kleinod aufmerksam geworden und empfehlen ihn wärmstens.

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Eine Antwort auf Zum Astropeiler, zurück in die Zukunft

  1. Herr Wern sagt:

    Danke für den Reisetipp! Hatte auch schon mal davon gehört und dann aber vergessen, wie das Project heisst. Werde mich auch noch im Herbst auf den Weg machen. Als Amaterufunker ja quasi eine Plichtveranstaltung.

    Wernherr

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